Belpaese


von Daniele Delle Donne


Der Kampf um Rom

Größer könnte das politische Chaos in Rom  im Heiligen Jahr nicht sein. Denn  während Papst Franziskus Umkehr und Demut predigt, tobt der Kampf um das begehrte  römische Bürgermeisteramt  unerbittlich und wild, und zwar über die  Parteigrenzen hinaus. Die Neuwahl wurde nötig,  weil  der   letzte  Bürgermeister, Ignazio Marino,  von seiner Demokratischen Partei zum Rücktritt gezwungen wurde. Dem Transplantationschirurgen von Weltrang wurde zum Verhängnis,  dass er mit seinen  vielen Freunden und Kollegen auf Kosten der Stadtkasse   wahre Gelage gefeiert  hatte. ...

Juwelen einer privaten  Kunstsammlung   


von Vincenzo  Delle Donne 


Vittorio Cini war ein umtriebiger  Tausendsassa und eine  schillernde Jahrhundertfigur obendrein. Er war  Faschist, Industrieller und Kunstmäzen und stammte eigentlich aus Ferrara.  Cini  war   auch  ein  leidenschaftlicher Venedig-Liebhaber, und zwar so sehr,  dass er die Lagunenstadt  zu   seiner Wahlheimat auserkor. Im Dorsoduro kaufte er  sich einen repräsentativen  Palazzo und  lebte zeitlebens  hier - bis zu seinem späten Tod.  Cini gelang  auch das Kunststück,  vom italienischen Staat eine gesamte Insel gewährt zu bekommen: die San Giorgio-Insel mit  ihren diversen kunsthistorischen Schätzen, die er dann  gleichsam in Eigenregie restaurieren ließ.  Auf der Insel hat jetzt die renommierte Fondazione Cini, die den künstlerischen Nachlass des im Faschismus  geadelten Unternehmers,  ihren Sitz. ...

 

Wenn der süditalienische Bacchus-Geist zu neuem Leben erweckt wird


von Daniele  Delle Donne


 

Die edlen  Tropfen aus dem sonnigen Süden Italiens sind  auf dem Vormarsch.  Das war eindeutig  ein Trend der in Düsseldorf stattfindenden ProWein 2016.   Rund 6.000 Aussteller aus 57 Nationen aus  allen  relevanten Weinregionen der Welt wetteiferten in der NRW-Metropole  miteinander um die Gunst der  internationalen Weinliebhaber. In dieser  Art Weltmeisterschaft  des Weingeistes  zeigten  aber  insbesondere  Weine   aus dem italienischen Süden  vollmundig großen  Körper und edle  Größe. Fast vergessene Weine wie der Aglianico, Piedirosso  oder die Falanghina  aus Kampanien oder der Primitivo aus Apulien und  der Nero d’ Avola oder der Bianco d’ Alcamo aus   Sizilien sind  nämlich aus ihrem  jahrhundertealten  Dornröschenschlaf erwacht und  wollen nun  im Konzert der Großen mitspielen.  Dieser Anspruch hört sich zwar  für einige transalpine Missgünstige  noch relativ vermessen an, aber bei Lichte besehen  hat er doch seine Berechtigung.  „Italien gehört zu den führenden Weinnationen der Welt“, sagt nicht ohne Stolz der italienische Generalkonsul von Köln, Emilio Lolli, „ dementsprechend hat es  die meisten Aussteller auf der ProWein“. 

 

2015 rangierte Italien  tatsächlich mit einer Gesamtproduktion von 48,9 Millionen Hektoliter erstmals  vor Frankreich, was unter  italienischen Winzern eine gewisse Schadenfreude über die französischen „Vettern“ aufkommen ließ.  Insgesamt exportierte das Land  Weine im Wert von über 5 Milliarden Euro.  Sorgen macht nur der Inlandsmarkt, der  seit der Wirtschaftskrise 2008 einen Rückgang von über 19% verzeichnen lässt. „Der Mengenabsatz geht zwar zurück“, betont der Assessor für Landwirtschaft der Region Sizilien, Antonello Cracolici.  Gleichzeitig nehme aber die Nachfrage nach Qualität  weiter zu. Klasse statt Masse lautet  also nun das neue Credo der süditalienischen  Winzer. In der Vergangenheit waren die großen Jahrgänge dieser Weinregionen dazu verdammt, gewissermaßen  auszuhelfen - den mittelitalienischen, den norditalienischen oder auch  französischen bekannten Weinen, wenn ihr saisonal beeinflusstes   Gehalt nicht zur bekannten Größe reichte.  In LKW-Tankern und per Schiffstankern  wurden sie  so als Billigware exportiert. Nachdem  aber in den letzten Jahren in diese Weinregionen viel investiert wurde, und man sich hier auf die  Tugend  der Qualität  besonnen hat,  will man mit diesen Weinen nun zur altbekannten Meisterschaft auflaufen und sich nicht mehr unter Wert verkaufen lassen.  Der Start war  unter vielen Gesichtspunkten    vielversprechend. Jetzt wurde  der Jahrgang 2015  wegen der großen und beständigen Hitze  als Jahrhundertjahrgang gepriesen.

 



Italienische Kunst und deutsches Wesen


von Gianluca Delle Donne


Die Uffizien sind in Italien eine Art nationales Heiligtum, und jede Entscheidung, die es betrifft, ist  heikel und anstößig zugleich.  Unmittelbar nach seiner überraschenden Ernennung zum  neuen Uffizien-Direktor war Eike Schmidt mit dem  floskelhaften Statement   zu hören, er habe   Großes vor. Wahrscheinlich würde ein solches Bekenntnis  auch Schmidts Landsfrau  Cecilie Hollberg zum Besten geben,  die ebenfalls überraschend  zur  neuen Direktorin der  florentinischen Galleria dell’Accademia ernannt wurde. Oder der Joungster Gabriel Zuchtriegel, der mit seinen  zarten 34 Jahren den berühmten archäologischen Park von Paestum leiten darf.
Bei der Ernennung von insgesamt 20 neuen Museumsdirektoren ist Kulturminister Dario Franceschini sicherlich neue Wege gegangen, indem er außer der deutschen Museumsdirektoren  für das  neapolitanische  Museo di Capodimonte  den Franzosen Sylvain Bellenger,  für die Pinacoteca di Brera den Briten kanadischen Ursprungs James Bradburne und für die Galleria nazionale delle Marche den Österreicher Peter Aufreiter ernannt hat.  Eins ist indes klar: Alle wollen den immens reichen Fundus, der in den Kellern schlummert, aufwerten und neu  präsentieren.  Aber sowohl Schmidt als auch die anderen wurden von Franceschini  mit der genauen Vorgabe ernannt,  neue Finanzquellen für die italienischen  Museen  zu erschließen.   Denn in den  Finanzkassen des italienischen Kulturministeriums herrscht  seit Langem eine erschreckende Ebbe.  Gelder von  Sponsoren oder auch europäische Finanzmittel   müssen deshalb her.  Man darf also gespannt sein, wie das die neuen Direktoren in der kurzen Amtszeit, die Ihnen zur Verfügung steht, anstellen werden.  Interessant dürfte auch sein, wie sie sich durch das  Dickicht der italienischen Bürokratie schlagen werden.
Eike Schmidt macht  nun mit dem Vorhaben von sich  reden, dass er den Corridoio Vasariano allen Museumsbesuchern zugänglich machen will.  Der abgeschlossene  und rund 1 Kilometer lange Verbindungsgang zwischen dem Palazzo Vecchio und dem Palazzo Pitti auf der anderen Seite des Arno, der über den Ponte Vecchio führt und an dessen Wänden Selbstportraits berühmter Meister hängen, war bislang nur  wenigen  Auserwählten vorbehalten.  Daran verdienten nur wenige besondere  Reiseveranstalter, die sich die exklusive  Visite fürstlich entlohnen ließen.  „Meine Absicht ist es, Privilegien abzuschaffen“, begründete Schmidt nun  die in Florenz viel diskutierte  Entscheidung.  Ein lobenswerter Vorsatz in einer Stadt und einem Land, in dem das öffentliche Leben ohne  Privilegien nicht vorstellbar ist.

 

 

 

 


Video zu einer einzigartigen Tiepolo-Ausstellung in der Villa Manin:

 


 

 

 

 

 

 

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